Verlässliche EDV

EINE SCHÖNE BESCHERUNG: Sämtliche Computer waren weg, als die Mitarbeiter morgens ins Büro kamen. Über Nacht gestohlen. Der Starnberger IT-Spezialist Martin Eickelschulte wurde zu Hilfe gerufen, wie schon häufiger bei EDV-Problemen. Seine erste Frage: Ist das letzte Sicherungsband aufgehoben worden, so wie er es dringend geraten hat? Erst verunsicherte Blicke in den Tresor, dann allgemeines Aufatmen: Das Band war vorhanden. Die aktuellen Daten waren tatsächlich alle drauf – und sie konnten wiederhergestellt werden. Auch die Computer wurden innerhalb kurzer Zeit neu beschafft. Hätte es nicht geklappt – es wäre einer mittleren Katastrophe gleichgekommen. Denn ohne IT geht heutzutage meist nichts mehr.

Computer-Chaos ist für Eickelschulte und sein Team nichts Besonderes – auch wenn es eher selten vorkommt, dass gleich alle Rechner geklaut werden. Dass alles Mögliche nicht funktioniert, ist eher die Regel als die Ausnahme, wenn die Starnberger einen neuen Kunden erstmals besuchen. Den Grund für die Probleme kennt Eickelschulte meist schon: „Die Unternehmer kennen sich in der Regel immer nur mit ihren jeweiligen Produkten aus, aber nicht mit der IT.“

Müssen sie auch nicht: Dafür gibt es Experten wie diese. „In der Regel haben die Unternehmen eine komplexe IT“, sagt Eickelschulte, „aber sie sind zu klein für eine eigene EDV-Abteilung, die mit mindestens zwei Profis besetzt sein muss, denn einer kann ja immer ausfallen.“ Extern ist die Betreuung nach seinen Angaben monatlich bei zwei bis 20 Arbeitsplätzen für weniger als 100 Euro zu haben, bis 50 Mitarbeiter für rund 1 000 Euro, bis 150 Arbeitsplätze für 2 000 bis 3 000 Euro, es sei denn, die IT ist besonders aufwändig. Das ist weit weniger als auch nur ein einziger fest angestellter IT-Spezialist kosten würde. Deshalb hält Eickelschulte eine Auslagerung der EDV-Betreuung auf einen externen Spezialisten bei Firmen oder anderen Institutionen dieser Größe für sinnvoll. In der Regel betreut sein Unternehmen fünf bis 150 Arbeitsplätze. Er mag diese Größenordnung, besonders, wenn seine Firmenkunden inhabergeführt sind: „Da rede ich von Kollege zu Kollege.“

Die Starnberger sind mit einer kleinen Firmenflotte ständig zwischen München und Garmisch-Partenkirchen unterwegs – bei rund 200 Kunden: mittelständischen Unternehmen, Organisationen, Gemeinden. „In dieser Gegend sind wir das marktführende Haus“, sagt der Chef stolz. Er hat es sich selbst erarbeitet. 1991 hatte der frisch gebackene Abiturient in Icking zwar gerade seine Lehre bei der Bayerischen Vereinsbank begonnen, doch nebenbei stürzte er sich bereits ins Unternehmerdasein. Alles Mögliche probierte er aus, aber schnell erkannte er, dass er ein Kerngebiet brauchte, auf das er sich voll und ganz konzentrieren konnte. Bei einem Fernstudium zum Thema Unternehmensstrategie kam ihm die zündende Idee: IT-Service für mittelständische Unternehmen.

Eine funktionierende IT hält Eickelschulte geradezu für ein Grundbedürfnis. Die EDV, das ist seine Überzeugung, darf nicht ausfallen, nicht abstürzen – sie muss verlässlich ihre Dienste tun. 1995 zog Eickelschulte von Icking nach Starnberg um. Zwei Schulfreunde, Christian Dura und Dominik Gehlen, fingen bei ihm an. Und es ging stetig bergauf. Bei Problemen wird in 80 Prozent aller Fälle per Hilfe von außen schnell eine Lösung gefunden, versichert Eickelschulte. Stets gehört auch ein „Plan B“ dazu – für den Fall, dass plötzlich doch nichts mehr geht, etwa, weil ein Bagger die Internet-Leitungen gekappt hat. Dann kann zum Beispiel eine Mobilfunkanbindung als Überbrückung helfen. Die Sicherungskopien, täglich sorgsam aufgehoben, sind dabei so etwas wie die conditio sine qua non.

Inzwischen ist das Unternehmen 20 Jahre alt, setzt mit 20 Mitarbeitern jährlich etwa drei Millionen Euro um – und der Chef ist gerade 40. Er ist der wichtigste Akquisiteur. Das macht er auf unkonventionelle Weise. Regelmäßig lädt er Interessenten zum Beispiel zum Arbeitsfrühstück ein. Da werden sie bei Kaffee und Butterbrezn über wichtige Neuheiten informiert, erhalten Tipps, können ihre Sorgen loswerden – alles schnell und effizient, denn alle wollen schnell wieder an ihre Arbeitsplätze. Um inmitten all der rasanten Fortschritte der Informationstechnologie seine Nase stets „im Wind“ zu haben, besucht Eickelschulte, so oft er kann, Messen, Kongresse, Fachveranstaltungen – und besonders gern die Gurus der Szene. Von Microsoft-Chef Steve Ballmer, den er einmal getroffen hat, ist er immer noch begeistert. Regelrecht ins Schwärmen gerät er aber auch, wenn er von etlichen IHK-Seminaren erzählt, an denen er teilgenommen hat – zu wichtigen Themen wie Rechtsform, Rechte und Pflichten von Geschäftsführern, Selbstständigkeit, Rhetorik, Organisation. Für ihn bieten sie die beste Möglichkeit, „die Realität mit dem Wissen zu verknüpfen“. Für die Industrie- und Handelskammer ist Eickelschulte inzwischen auch mit großem Engagement als Vorsitzender des Starnberger IHK-Gremiums aktiv. Er kennt aber auch seine Grenzen. Deshalb arbeitet er mit Unternehmen aus der Umgebung zusammen, wenn es um Telefonie, Warenwirtschaftssysteme, Elektrotechnik, Bürotechnik und Ähnliches geht. So hat der Kunde das Gefühl, dass alles aus einer Hand kommt, meint er – und nicht jeder schiebt Probleme auf andere.

Stark wachsen soll die Eickelschulte AG nicht, gibt der Chef sich selbst vor. Das Unternehmen ist für ihn etwas sehr Persönliches, das ist unübersehbar. Ein bis zwei neue Mitarbeiter stellt er jährlich zusätzlich ein, nicht mehr. Eine Vergrößerung seiner Belegschaft um zehn auf 30 Mitarbeiter kann er sich in den nächsten Jahren noch vorstellen, aber nicht mehr: „Dann ist es nicht mehr familiär.“ In der derzeitigen Größenordnung sieht er „ein hohes Maß an Lebensqualität“. Für Betriebsausflüge denkt er sich immer neue Besonderheiten aus. So war er mit seinen Mitarbeitern schon in einem Iglu-Hotel auf der Zugspitze, auf einer Almhütte beim Skifahren, in Berlin und zuletzt bei einem Kochkurs. Der regelmäßige Besuch einer Go-Kart-Bahn hat schon fast Tradition.

Dem Unternehmen scheint das alles gut zu bekommen. Auf die Ertragslage angesprochen, sagt Eickelschulte: „Der Firma geht es gut.“ Das ist wohl untertrieben. „Wir arbeiten ohne Kredit“, konkretisiert er. In „völliger Bankunabhängkeit“ fühlt er sich wohl: „Ich kenne so viele, die jeden Monat unter Zinsen stöhnen.“ Auch sonst scheut er jede Form von Abhängigkeiten, auch von Wirtschaftszweigen oder Branchen. Deshalb bevorzugt er Kunden aus allen möglichen Zweigen: „Keiner bringt es bei uns auf mehr als fünf Prozent des Jahresumsatzes.“

Eickelschultes anfangs erwähnter Kunde, dem die Computer gestohlen wurden, ist eine Gemeindeverwaltung. Und man mag es kaum glauben: Zwei Wochen nach dem Vorfall waren die Computer schon wieder verschwunden. Als Eickelschulte alles zum zweiten Mal bestellte, war der Verkäufer beim Goßhändler ziemlich verblüfft: „Das“, meinte er, „ist ja mal ’ne tolle Vertriebsmethode.“

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